Der Fahnenträger will jetzt wirklich in die Regierung

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Der Fahnenträger will jetzt wirklich in die Regierung

Ignazio Cassis möchte Didier Burkhalter als Bundesrat beerben. Sieben Jahre nach seiner ersten Kandidatur rechnet sich der Tessiner dieses Jahr grössere Chancen aus.

Mit Ignazio Cassis sprach Gerhard Lob – SüdOstSchweiz 12.7.2017

Herr Cassis, Sie haben bereits einmal für den Bundesrat kandidiert. War es damals weniger ernst als heute?
IGNAZIO CASSIS: Eindeutig. Im Jahr 2010 wurde ich als Bundesratskandidat von der FDP Tessin nominiert. Damals ging es einfach darum, die Fahne der italienischen Schweiz hochzuhalten. Wir wollten ein Zeichen setzen, um zu zeigen, dass die italienische Schweiz zum Land gehört.

Damals war die Kandidatur chancenlos. Nun sieht es besser aus. Was treibt Sie im Kern an, eine Kandidatur zu erwägen?
Das war die entscheidende Frage, die ich mir die letzten drei Wochen selbst gestellt habe. Denn es ist eines, ganz generell über eine Kandidatur nachzudenken, etwas anderes, dann eine Kandidatur konkret ins Auge zu fassen. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich mein Land liebe, auch wenn dies banal klingen mag. Ich habe das Gefühl, ich könnte im Bundesrat dank meiner Erfahrungen einen besonderen Akzent setzen, das heisst den Akzent der dritten Schweiz, der italienischen Schweiz. Im Bundesrat könnte ich auch als Bindeglied zu Italien fungieren, einem sehr wichtigen Partnerland für die Schweiz. Ich habe immer sehr stark darunter gelitten, dass die Schweiz in Rom auf Englisch verhandelte, obwohl Italienisch bei uns eine offizielle Amtssprache ist.

Gesetzt den Fall, Sie wären Chef des Militärdepartements. Da gäbe es wohl kaum Möglichkeiten, um in Rom auf Italienisch zu verhandeln.
Die jeweilige Sensibilität kann man auch in den Bundesrat einbringen, ohne selbst zu verhandeln, ausserdem kann man Beamte nominieren. Aber es stimmt: Einige Departemente sind sicherlich mehr mit dem Ausland verbunden als andere.

Was ist Ihr Wunschdepartement?
Sie wissen, wie das läuft. Wenn ich gewählt werden sollte, bleibt einem als Neuling einfach der Schwarze Peter, das heisst das Departement, das sonst niemand will.

In den letzten Jahren gab es immer wieder vergebliche Versuche mit Kandidaten aus der italienischen Schweiz. Warum sollte es jetzt klappen?
Ich denke, die Rahmenbedingungen sind anders. Wir haben drei Bundesräte aus der Romandie, das war ein Ausnahmezustand. Nun tritt einer zurück. Der Sitz wäre normalerweise in den Händen der Deutschschweiz. Doch gerade in der Deutschschweiz spüre ich eine grosse Offenheit für eine Kandidatur aus der italienischen Schweiz. Natürlich hängt es am Ende auch an der Person.

Das Tessin ist Lega-Land. Die Lega ist ein erbitterter politischer Feind der FDP. Erwarten Sie eine harte Auseinandersetzung?
Keine Kandidatur wird Einstimmigkeit erzeugen. Denn sonst wäre eine Kandidatur ohne Profil. Und Hindernisse liegen natürlich auf dem Weg. Aber man sollte nicht vergessen: Es geht um eine FDP-Vakanz, nicht um eine Vakanz der SP oder SVP/Lega. Für diesen Sitz muss man die Werte der FDP vertreten.

SP-Präsident Christian Levrat hat die FDPStrategie für die Burkhalter-Nachfolge als «amateurhaft» kritisiert.
Das darf man nicht so ernst nehmen. Das gehört jetzt einfach zum Spiel.

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